Radonbrunnen – Radonabsaugung im Erdreich
Ein Radonbrunnen ist ein Absaugsystem ausserhalb des Gebäudes: Über eine Bohrung im Erdreich wird radonhaltige Bodenluft abgesaugt, bevor sie das Gebäude erreicht. Diese Massnahme kommt insbesondere dann in Betracht, wenn eine Absaugung unter der Bodenplatte nicht möglich oder nicht ausreichend wirksam ist.
Allgemeines Prinzip
Anders als eine Absaugung direkt unter der Bodenplatte greift der Radonbrunnen im umliegenden Erdreich an: Über ein vertikales Bohrloch wird ein Rohr in den durchlässigen Baugrund eingebracht. Ein Ventilator saugt die radonhaltige Bodenluft aus dem Bohrloch ab und leitet sie über ein Rohrsystem ins Freie.
Durch die Absaugung im Erdreich entsteht ein Unterdruck im Baugrund rund um die Bohrung – der sogenannte Einflussbereich. Radon, das aus tieferen Bodenschichten aufsteigt und auf das Gebäude zuströmen würde, wird im Einflussbereich erfasst und abgeleitet, bevor es die Gebäudehülle erreicht.
Baugrund und Einflussbereich
Die Wirksamkeit eines Radonbrunnens hängt massgeblich vom Baugrund ab. Entscheidend ist die Durchlässigkeit des Bodens: In gut durchlässigen Böden wie Kies, Sand oder Schotter breitet sich der Unterdruck weiträumig aus und der Einflussbereich kann mehrere Meter betragen. In bindigen oder wenig durchlässigen Böden – etwa Lehm oder Ton – ist der Einflussbereich kleiner und die Wirksamkeit eingeschränkt.
Faktoren, die den Einflussbereich beeinflussen:
- Korngrösse und Schichtung des Baugrunds – grobkörnige, gleichmässige Schichten begünstigen die Ausbreitung
- Tiefe und Durchmesser der Bohrung – tiefere Bohrungen mit grösserem Durchmesser können den Einflussbereich vergrössern
- Grundwasserspiegel – hohes Grundwasser kann die Absaugung beeinträchtigen oder verhindern
- Verdichtung und Verfüllungen – künstliche Aufschüttungen oder stark verdichtete Bereiche können die Durchlässigkeit reduzieren
Ob der Baugrund für einen Radonbrunnen geeignet ist und wie gross der Einflussbereich sein wird, muss durch eine Radonfachperson beurteilt werden. Vorgängige Bodenuntersuchungen oder ein Saugversuch können Aufschluss geben.
Bohrung
Für den Radonbrunnen wird eine vertikale Bohrung im Erdreich ausgeführt – in der Regel ausserhalb des Gebäudes, in einigem Abstand zur Aussenwand. Der Durchmesser und die Tiefe der Bohrung richten sich nach den Baugrundverhältnissen und der benötigten Reichweite.
In die Bohrung wird ein gelochtes Rohr eingebracht, das im durchlässigen Bereich des Baugrunds positioniert wird. Der obere Bereich der Bohrung wird abgedichtet, damit keine Luft von der Oberfläche angesaugt wird und der Unterdruck im Erdreich aufrechterhalten bleibt. Das Rohr wird an den Ventilator angeschlossen, der die Bodenluft absaugt.
Ventilator und Standort
Der Ventilator eines Radonbrunnens erzeugt den erforderlichen Unterdruck im Bohrloch und fördert die abgesaugte Bodenluft ins Freie. Der Standort des Ventilators muss so gewählt werden, dass er für Wartung und Kontrolle zugänglich ist und die Schallemissionen keine unzumutbare Belastung darstellen.
Mögliche Standorte:
- Im Aussenbereich – nahe der Bohrung, in einer wetterfesten Einhausung oder einem Schacht
- Im Keller oder Technikraum – wenn die Rohrleitung von der Bohrung ins Gebäude geführt werden kann
- In einem separaten Schacht – zwischen Bohrung und Gebäude, bei längeren Rohrleitungen
Die Länge und Führung der Rohrleitung zwischen Bohrung und Ventilator beeinflussen den Strömungswiderstand und damit die benötigte Ventilatorleistung. Kürzere Leitungen sind in der Regel vorteilhaft.
Bewilligungen und Vorschriften
Die Erstellung eines Radonbrunnens mit einer Bohrung im Erdreich kann bewilligungspflichtig sein – abhängig von der Tiefe und vom Durchmesser der Bohrung, vom Standort (Bauzone, Grundwasserschutzzone, Gewässerschutzbereich) und von den kantonalen Vorschriften. Vor der Ausführung sollte geklärt werden:
- Baubewilligung – ob die Bohrung bewilligungspflichtig ist, hängt von den örtlichen und kantonalen Bauvorschriften ab
- Gewässerschutz – in Grundwasserschutzzonen und Gewässerschutzbereichen können Einschränkungen oder Verbote gelten
- Leitungspläne – bei Werkleitungen im Boden (Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation, Fernwärme) sind vorgängig die Leitungskataster zu konsultieren
- Nachbarrecht – bei Bohrungen nahe der Grundstücksgrenze können nachbarrechtliche Fragen zu klären sein
Die Abklärung der bewilligungsrechtlichen Situation ist Sache des Bauherrn oder der beauftragten Fachperson. Diese Plattform erteilt keine Auskünfte zu Bewilligungsfragen.
Nachbargebäude
Bei der Planung eines Radonbrunnens sind auch benachbarte Gebäude zu berücksichtigen. Der Unterdruck im Erdreich kann sich je nach Baugrund über die Grundstücksgrenze hinaus ausbreiten. In seltenen Fällen könnte der Unterdruck die Radonsituation in Nachbargebäuden beeinflussen.
Insbesondere bei dichter Bebauung – zum Beispiel Reihenhäusern, Doppelhaushälften oder engen Bauabständen – sollte die mögliche Wechselwirkung mit benachbarten Gebäuden in die Planung einbezogen werden. Eine Radonfachperson kann beurteilen, ob und in welchem Umfang Nachbargebäude zu berücksichtigen sind.
Beurteilung und Kontrolle
Die Eignung eines Radonbrunnens für ein bestimmtes Gebäude muss durch eine Radonfachperson beurteilt werden. Die Beurteilung umfasst:
- Bewertung der Baugrundverhältnisse (Durchlässigkeit, Schichtung, Grundwasser)
- Bewertung der gemessenen Radonwerte im Gebäude
- Festlegung von Tiefe, Durchmesser und Position der Bohrung
- Prüfung von Bewilligungspflichten und Einschränkungen
- Auslegung des Ventilators und des Rohrsystems
- Festlegung des Luftauslasses mit ausreichendem Abstand
Nach der Inbetriebnahme ist eine anerkannte Kontrollmessung erforderlich, um die Wirksamkeit zu bestätigen. Der Jahresmittelwert nach der Sanierung sollte unter dem Referenzwert von 300 Bq/m³ liegen. Regelmässige Funktionskontrollen des Ventilators und Folge-Kontrollmessungen stellen die anhaltende Wirksamkeit sicher.
Radonbrunnen für Ihre Situation prüfen lassen
Übermitteln Sie Ihre Gebäudesituation und vorhandene Messwerte. Wir prüfen die mögliche Vermittlung an eine unabhängige Radonfachperson für eine fachliche Beurteilung vor Ort.
Wichtiger Hinweis: Fernando Herrero Ruiz, handelnd unter der Geschäftsbezeichnung Smithbros Productions, führt selbst keine Bohr-, Planungs-, Installations-, Bau- oder Sanierungsarbeiten aus und gibt keine Bohranweisungen. Die hier beschriebenen Prinzipien dienen ausschliesslich der allgemeinen Information. Die konkrete Planung, Beurteilung der Baugrundverhältnisse, Auslegung, Bohrung und Installation eines Radonbrunnens erfolgt durch die beauftragte Radonfachperson und die ausführenden Fachbetriebe. Diese Plattform übernimmt keine Gewähr für die Eignung oder Wirksamkeit einer Massnahme im Einzelfall.