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Bauliche und lüftungstechnische Massnahmen

Abdichtung und Lüftung bei Radon

Neben aktiven Systemen wie Radonsauger oder Radonbrunnen können auch bauliche Abdichtungsmassnahmen und eine angepasste Lüftung die Radonkonzentration in Innenräumen beeinflussen. Welche Massnahmen im Einzelfall geeignet sind, muss durch eine Radonfachperson beurteilt werden.

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Radoneintrittspfade verstehen

Radon gelangt aus dem Baugrund über Undichtigkeiten in der Gebäudehülle ins Innere. Je mehr Eintrittspfade vorhanden sind und je grösser der Druckunterschied zwischen Baugrund und Innenraum ist, desto mehr Radon kann eindringen. Abdichtung und Lüftung setzen an diesen beiden Faktoren an: Abdichtung reduziert die Zahl der Eintrittspfade, eine angepasste Lüftung kann die Druckverhältnisse beeinflussen.

Allerdings: Alleinige Abdichtung oder alleinige Lüftung reichen bei erhöhten Radonwerten oft nicht aus. Häufig ist eine Kombination verschiedener Massnahmen erforderlich, um den Referenzwert von 300 Bq/m³ als Jahresmittelwert zuverlässig zu unterschreiten.

Wichtig: Eine Verbesserung der Luftdichtheit oder der energetischen Qualität kann die Luftwechselverhältnisse verändern. Radon sollte bei entsprechenden Umbauten mitberücksichtigt werden.

Abdichtung von Rissen, Fugen und Durchführungen

Risse, Fugen und Durchführungen in der Bodenplatte und in den erdberührten Wänden sind häufige Eintrittspfade für Radon. Ihre Abdichtung kann die Radonkonzentration im Gebäude verringern. Typische Stellen sind:

  • Risse in der Bodenplatte – Setzrisse, Schwindrisse oder Spannungsrisse im Beton
  • Arbeitsfugen – zwischen verschiedenen Betonieretappen oder zwischen Bodenplatte und aufgehenden Wänden
  • Kabeldurchführungen – Strom-, Telefon- und Datenkabel durch die Bodenplatte
  • Rohrdurchführungen – Wasser-, Abwasser- und Heizungsrohre, die durch die Bodenplatte oder erdberührte Wände führen
  • Installationsschächte – vertikale Schächte, die vom Keller in die oberen Geschosse führen
  • Anschlüsse Bodenplatte–Wand – der Übergang zwischen Bodenplatte und Kellerwänden ist oft eine Schwachstelle

Die Abdichtung erfolgt in der Regel mit dauerelastischen Dichtstoffen, radondichten Beschichtungen oder Bändern. Wichtig ist, dass das Material dauerhaft und beständig gegen die im Baugrund herrschenden Bedingungen ist.

Achtung: Risse können auch statische Ursachen haben. Eine blosse oberflächliche Abdichtung kann bei beweglichen Rissen unwirksam sein. Vor der Abdichtung sollte die Ursache des Risses geklärt werden. Zudem können Abdichtungsmassnahmen die Luftwechselrate verringern – siehe Hinweis zur energetischen Qualität oben.

Türen und Installationen im Untergeschoss

Auch scheinbar unauffällige Bauteile können Radon-Eintrittspfade darstellen oder die Ausbreitung im Gebäude beeinflussen:

  • Türen zwischen Keller und Wohnbereich – undichte oder selten geschlossene Türen ermöglichen den Luftaustausch zwischen Untergeschoss und Wohnräumen
  • Treppenhäuser – offene Treppenhäuser ohne abschliessende Tür zum Keller können Radon aus dem Keller in die oberen Geschosse transportieren (Kamineffekt)
  • Lüftungs- und Installationsschächte – offene oder undichte Schächte können Radon über mehrere Geschosse verteilen
  • Waschmaschinen- und Trockneranschlüsse – Durchführungen für Wasser- und Abluftleitungen
  • Bodenabläufe – insbesondere in älteren Gebäuden können Bodenabläufe ohne Geruchsverschluss eine direkte Verbindung zum Baugrund darstellen

Eine Kellertür, die gut schliesst und abgedichtet ist, kann verhindern, dass Radon aus dem Keller in die Wohnräume strömt – sie reduziert jedoch nicht die Radonkonzentration im Keller selbst. Die Tür allein ist keine Sanierungsmassnahme.

Natürliche Lüftung

Gezieltes Stosslüften kann die Radonkonzentration in Innenräumen kurzfristig senken. Nach dem Schliessen der Fenster steigt die Konzentration jedoch in der Regel wieder an – abhängig vom Radoneintrag aus dem Baugrund und der verbleibenden Luftwechselrate. Natürliche Lüftung allein ist in den meisten Fällen keine zuverlässige Sanierungsmassnahme.

Aspekte der natürlichen Lüftung bei Radon:

  • Stosslüften allein reicht meist nicht – es kann die Konzentration temporär senken, geht aber nicht die Ursache an
  • Kellerräume mit kleinen Fenstern – in Lichtschächten ist der natürliche Luftaustausch oft stark eingeschränkt
  • Witterungsabhängig – an kalten oder windstillen Tagen wird weniger gelüftet; im Winter sind Fenster häufiger geschlossen
  • Nutzerabhängig – die Wirksamkeit hängt vom Lüftungsverhalten der Bewohner ab
Hinweis: Eine anerkannte Radonmessung misst die Radonsituation unter den tatsächlichen Nutzungsbedingungen über einen längeren Zeitraum. Eine kurzfristig niedrige Konzentration nach dem Lüften kann täuschen.

Mechanische Lüftung

Eine mechanische Lüftung – zum Beispiel eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung – kann die Radonkonzentration in Innenräumen beeinflussen. Entscheidend sind die Druckverhältnisse, die durch die mechanische Lüftung entstehen.

Mögliche Wirkungen einer mechanischen Lüftung:

  • Ausgeglichene Druckbilanz – Zu- und Abluft sind gleich gross; die Belüftung selbst verändert die Druckverhältnisse nicht wesentlich
  • Überdruck im Gebäude – es wird mehr Luft zugeführt als abgeführt; dies kann den Radoneintrag aus dem Baugrund reduzieren
  • Unterdruck im Gebäude – es wird mehr Luft abgesaugt als zugeführt; dies kann den Radoneintrag aus dem Baugrund verstärken
Achtung bei falsch ausgelegter Lüftung: Eine mechanische Lüftung, die einen Unterdruck im Gebäude erzeugt – etwa eine zu starke Abluftanlage ohne ausreichende Zuluft – kann die Radonsituation verschlechtern. Radon sollte bei der Planung und Auslegung von Lüftungsanlagen zwingend mitberücksichtigt werden.

Druckverhältnisse im Gebäude

Die Druckverhältnisse zwischen Baugrund und Gebäudeinnerem sind ein zentraler Faktor für den Radoneintritt. Ein Unterdruck im Gebäude gegenüber dem Baugrund – verursacht durch Temperaturunterschiede, Wind oder mechanische Lüftung – saugt Radon aus dem Boden an. Dieser Effekt wird durch folgende Faktoren verstärkt:

  • Kamineffekt im Winter – warme Luft steigt im Gebäude auf und erzeugt im unteren Bereich einen Unterdruck
  • Dunstabzugshauben und Abluftventilatoren – sie saugen Luft aus dem Gebäude ab und können den Unterdruck im Keller erhöhen
  • Cheminées und Holzöfen – sie benötigen Verbrennungsluft und erzeugen einen Unterdruck
  • Winddruck auf das Gebäude – kann je nach Windrichtung die Druckverteilung verändern
  • Dichte Fenster und Türen – bei dichter Gebäudehülle kann sich der durch Abluftgeräte erzeugte Unterdruck stärker auswirken

Eine Radonfachperson kann die Druckverhältnisse messen und beurteilen, ob die Lüftungssituation die Radonkonzentration beeinflusst.

Feuchtigkeit und Radon

Feuchtigkeit im Untergeschoss kann mit erhöhten Radonwerten zusammenfallen, muss es aber nicht. Beide Phänomene – Feuchtigkeit und Radon – können über ähnliche Eintrittspfade ins Gebäude gelangen, haben jedoch unterschiedliche Ursachen und erfordern unterschiedliche Massnahmen.

Eine feuchte Kellerwand oder ein feuchter Kellerboden deuten auf mangelnde Abdichtung oder aufsteigende Feuchtigkeit hin. Solche Stellen können auch Eintrittspfade für Radon sein. Die blosse Behebung der Feuchtigkeit – etwa durch eine Horizontalsperre oder eine aussenliegende Abdichtung – bewirkt nicht automatisch eine Reduktion der Radonkonzentration.

Nicht verwechseln: Radon ist ein Gas und wird durch Druckunterschiede transportiert – Feuchtigkeit ist flüssiges Wasser und folgt anderen physikalischen Gesetzen. Massnahmen gegen Feuchtigkeit und Massnahmen gegen Radon sind nicht identisch, können sich aber überschneiden.

Kombination von Massnahmen

In der Praxis wird selten eine einzelne Massnahme isoliert angewendet. Häufig ist eine Kombination aus Abdichtung, Lüftungsanpassung und aktivem Absaugsystem erforderlich, um den Referenzwert von 300 Bq/m³ als Jahresmittelwert zuverlässig zu unterschreiten.

Typische Kombinationen:

  • Abdichtung + Radonsauger – Abdichtung reduziert Eintrittspfade, der Radonsauger erfasst die verbleibende Bodenluft
  • Abdichtung + kontrollierte Lüftung – kombinierte bauliche und lüftungstechnische Lösung
  • Radonbrunnen + Innenabdichtung – Absaugung im Erdreich ergänzt durch Abdichtung der Bodenplatte
  • Abdichtung + Lüftungsanpassung + Radonsauger – umfassende Lösung bei hohen Ausgangswerten oder komplexer Gebäudesituation

Welche Kombination im konkreten Fall die wirksamste und wirtschaftlichste ist, muss durch eine Radonfachperson anhand der Messwerte und der Gebäudebegehung beurteilt werden.

Kontrollmessung nach Massnahmen: Unabhängig von der gewählten Kombination sollte nach Umsetzung der Massnahmen eine anerkannte Kontrollmessung durchgeführt werden. Nur sie kann bestätigen, ob der Jahresmittelwert den Referenzwert von 300 Bq/m³ unterschreitet.

Abdichtung und Lüftung für Ihre Situation prüfen lassen

Übermitteln Sie Ihre Gebäudesituation und vorhandene Messwerte. Wir prüfen die mögliche Vermittlung an eine unabhängige Radonfachperson.

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Wichtiger Hinweis: Fernando Herrero Ruiz, handelnd unter der Geschäftsbezeichnung Smithbros Productions, führt selbst keine Bau-, Abdichtungs-, Lüftungsplanungs-, Installations- oder Sanierungsarbeiten aus. Die hier beschriebenen Prinzipien dienen ausschliesslich der allgemeinen Information. Die konkrete Auswahl, Planung und Umsetzung von Abdichtungs- und Lüftungsmassnahmen erfolgt durch die beauftragte Radonfachperson und die ausführenden Fachbetriebe. Diese Plattform übernimmt keine Gewähr für die Eignung oder Wirksamkeit einer Massnahme im Einzelfall.